„ZURAAS“
Eine Gemeinschaftsausstellung
von Otgonbayar Ershuu, Bayart–Od
Byambarenchin und Dorjderem Davaa
„ZURAAS“
ist das mongolische Wort für Linie. Die Linie ist uns in fast jedem
Lebensbereich ein Begriff und so ist sie auch existentielles Stilmittel
in jedem Genre der
Kunst. Die Linie ist neben ihrer Funktion als gestalterisches Element
in den
unterschiedlichsten Kunstbereichen, auch ein Verbindungsglied zwischen
ihnen. Die
künstlerische Interpretation der Linie, fällt jedoch gemäß ihrer
Vielseitigkeit, sehr
unterschiedlich aus. Die
Ausstellung „ZURAAS“ thematisiert die Linie als Brücke zwischen
moderner Malerei,
traditioneller Zeichnung, Skulptur und künstlerischer Installation,
gleichzeitig zeigt sie
jedoch die kontroverse Wahrnehmung von ein und dem selben Stilmittel,
in den
unterschiedlichen Genres der Kunst. Wie
ein Spinnennetz ziehen sich fadige Linien durch den Ausstellungsraum.
Sie umgarnen
die Malereien und Zeichnungen an der Wand, schlängeln sich um und durch
das Gebälk,
laufen vielerorts auseinander und wieder zusammen, kreuzen und
verästeln sich. Füllen
gradlinig auf Abwegen den Raum. Die Quelle der Fäden scheint eine
künstlerische
Installation zu sein, die sich mittig an der rechten Außenwand des
Raumes befindet.
Netzartig laufen die Linien über der Installation zusammen und
verschaffen ihr und dem
darüber hängenden Gemälde zentrale Aufmerksamkeit. Installation und
räumliche
Gestaltung sind ein Gemeinschaftsprojekt des Künstlers Dorjderem Davaa
und des Malers
Otgonbayar Ershuu. Drei goldene Babys, noch nicht von der Nabelschnur
getrennt,
symbolisieren die Entstehung neuen Lebens. Otgos Gemälde thematisiert
das
Zusammensein und die körperliche Vereinigung, sich liebender Menschen,
die Quelle zur
Entstehung von neuem Leben.
„Ich
dachte an die Menschen, als ich dieses Bild malte.“ (Otgo)
Vernetzt
ziehen sich die Fäden durch dich die Ausstellung heben Bindungen,
Beziehungen, Gemeinsamkeiten, aber auch Distanzen und Gegensätze hervor.
An der linken Außenwand des Raumes, hängen Zeichnungen des Kalligraphen
Bayart–Od
Byambarenchin. Kontrovers scheint zunächst die gemeinsame Präsentation
der
traditionellen Zeichnungen mit Otgos farbenfrohen Miniaturen und
Dorjderem Davaas
abstrakter Installation. Kunstvoll und von bestechender Klarheit
erscheinen die kleinen, an
die Kunst der Kalligraphie erinnernden Bilder, des mongolischen
Künstlers.
„Er ist
ein Meister der Linie. Als ich anfing zu malen war Bayart–Od
Byambarenchin mein
Vorbild. Seine künstlerischen Fähigkeiten haben mich inspiriert.“
(Otgo)
Thematisch
bewegen sich die drei Künstler auf einer Linie. Das Leben, die Menschen
und
alles was zu ihrem Dasein auf der Welt gehört, ist der Ursprung ihrer
künstlerischen
Darbietungen und das Herz dieser ungewöhnlichen
Ausstellungskomposition. Inspiration
war jedoch auch der Gedanke über die Zukunft der Menschen auf der Erde.
Die goldenen
Babys aus Stein liegen gebettet auf Geldstücken, umgeben und umwickelt
von straff gezogenen
Fäden, wie in einem Netz gefangen.
„Die
Nachricht, dass in der Mongolei möglicherweise Atommüll aus Japan
gelagert werden
soll hat mich nachdenklich, traurig und wütend gemacht. Leben ist so
wertvoll, es verbirgt so viele Wunder, es ist spannend, großartig und
inspirierend, aber es ist auch eine riesen
Verantwortung.“
(Otgo)